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Otto Group bietet KI-Content-Plattform anderen Retailern an

Durch die KI-gestützte Generierung von Produktinhalten erzielt die Otto Group bereits durchschnittliche Einsparungen bei den Produktionskosten von rund 60 Prozent. Laut Marcus Müller von One.O, der hauseigenen Technologie- und Strategieberatung der Otto Group, lassen sich die Produktionskosten in vollautomatisierten Content-Ökosystemen für den Einzelhandel sogar um bis zu 90 Prozent senken. Auf der Blue Stage der Euroshop bot Marcus Müller anderen Einzelhandelsunternehmen an, ebenfalls den Virtual Content Creator (VCC) einzusetzen, den One.O als Teil der Live-Shopping-Suite Movex der Otto Group entwickelt hat.

Frühe Experimente mit einzelnen KI-Modellen in der Otto Group zeigten, dass die reine Bildgenerierung für den Einsatz in Unternehmen nicht ausreiche, erklärte Marcus Müller. Verschiedene KI-Modelle lieferten uneinheitliche Ergebnisse, während die Skalierung der Ausgabe zu komplexen Arbeitsabläufen und Qualitätsrisiken führte. One.O reagierte darauf mit der Entwicklung der zentralisierten Plattform Movex VCC, welche passende KI-Ansätze in strukturierte Produktions-Pipelines integriert.

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Sie ermöglicht es Einzelhandels-Unternehmen, Produktbilder schneller zu erstellen und gleichzeitig die Betriebskosten deutlich zu senken. Laut Marcus Müller bleibt die traditionelle Produktfotografie einer der teuersten Prozesse im E-Commerce, da sie Studios, Fotografen, Logistik und umfangreiche Nachbearbeitung erfordert. Diese Arbeitsabläufe dauern oft Wochen, bis die Assets für die Veröffentlichung über digitale Kanäle bereit sind. Die Otto Group untersuchte daher generative KI nicht als Optimierungstool, sondern als Möglichkeit, die Erstellung von Produktinhalten grundlegend neu zu gestalten.

Plattform kombiniert Bild-, Text- und Videoproduktion

Die Movex VCC-Plattform vereint Bildgenerierung, markenspezifische Texterstellung und automatisierte Videoproduktion in einer Umgebung. Einzelhandelsteams können Produktmaterial hochladen, Vorgaben definieren und kampagnenfertige Visuals ohne physische Fotoshootings generieren. Hintergründe, Materialien und Umgebungen können digital modifiziert werden, was eine schnelle Variation von Produktpräsentationen in verschiedenen Kategorien wie Mode und Möbel ermöglicht.

Die Otto Group führte einen hybriden Workflow ein, bei dem Kreativteams die Vorgaben zunächst manuell verfeinern, bevor sie in automatisierte Prozesse übertragen werden. Nach der Optimierung können Kampagnen in großem Maßstab laufen und automatisch große Mengen an Assets generieren. Das System verteilt fertige Inhalte direkt an nachgelagerte Publishing-Systeme und Online-Shops.

Automatisierte Überprüfung

Eine zentrale Herausforderung generativer KI ist die Qualitätskontrolle, wenn die Produktion das Machbare an menschlicher Überprüfung übersteigt. Um dies zu lösen, implementierte One.O eine zweite KI-Ebene, die generierte Inhalte automatisch anhand vordefinierter Kriterien überprüft. Das Verifizierungssystem bewertet Konsistenz und Konformität, bevor Assets zur Veröffentlichung freigegeben oder weitere Anpassungen ausgelöst werden.

Laut Marcus Müller beschleunigt die Automatisierung die Produktionszyklen erheblich und gewährleistet gleichzeitig die Einhaltung von Markenstandards über alle Kampagnen hinweg. Inhalte, deren Erstellung zuvor wochenlange Koordination erforderte, können nun innerhalb von Minuten oder Sekunden erstellt werden. Diese Geschwindigkeit ermöglicht es Einzelhandels-Unternehmen, Kampagnen auf Basis von Leistungsdaten kontinuierlich zu testen und anzupassen.

Einfache Lokalisierung von Kampagnen

Über Bilder hinaus generiert die Plattform mehrsprachige Marketingtexte, die dem Style Guide der Marke entsprechen, und wandelt visuelle Assets in Kurzvideos um. Einzelhandels-Unternehmen können daher Kampagnen für mehrere Landesgesellschaften gleichzeitig lokalisieren, ohne ihre Produktionsteams vergrößern zu müssen. Die Integration unterstützt zunehmend von sozialen Medien getriebene Handelsstrategien, bei denen Inhaltsvolumen und Geschwindigkeit entscheidend sind.

 

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Björn Weber

Björn Weber ist seit über 20 Jahren als Journalist, Analyst und Berater auf den Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie spezialisiert. Bevor er die Agentur Fourspot gründete, bei der The Retail Optimiser erscheint, leitete er die internationale Analysten-Gruppe LZ Retailytics. Zuvor war er Research Director Retail Technology und Deutschlandchef von Planet Retail. Björn Weber war davor acht Jahre lang Redakteur für IT & Logistik-Themen der Lebensmittel Zeitung. Björn Weber ist Mitglied der Jury des Retail Technology Awards (Reta Europe) des EHIs. Er ist regelmäßiger Sprecher auf Veranstaltungen des EHIs, der NRF, der Branchenmedien sowie des Consumer Goods Forums.

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