Partner Tech vermarktet Colruyt’s Easy Checkout
Colruyt hat mit seinem innovativen Easy Checkout-System viel Aufmerksamkeit in der Branche geerntet. Nun erlaubt der Marktführer des Handels in Belgien seinem Hardware-Lieferanten Partner Tech Europe, das System auch an andere Retailer zu vermarkten. Und zwar inklusive der vom Colruyt-Team selbst entwickelten Vision Recognition-Software, welche einen Barcode genau dann ausliest, wenn sein Artikel durch einen bestimmten Bereich bewegt wird.
Die Lösung anderen Handelsunternehmen anzubieten, scheint erstmal ein kühnes Vorhaben zu sein, denn Colruyt‘s Scanning-Prozess ist bisher einmalig im Einzelhandel: Mitarbeiter nehmen die Ware aus dem Einkaufswagen des Kunden und legen sie nach dem Erfassen in einen zweiten. Der Kunde muss die Ware fürs Kassieren gar nicht anfassen.
Beim Easy Checkout-System, das Colruyt schon bis Juni dieses Jahres in alle seine 273 Vertriebsstätten in Belgien ausrollen möchte und heute bereits in über 100 Märkten mit durchschnittlich acht dieser Checkouts pro Store eingeführt hat, bleibt der Trolley-to-Trolley-Prozess erhalten. Statt durch einen Scanner in der Hand eines Mitarbeiters wird der Barcode jedoch durch eine fest installierte Kamera erfasst und mit der vom Colruyt-Team inhouse entwickelten Vision Recognition-Lösung ausgelesen. Seit knapp zwei Jahren ist Partner Tech Europe als Hardware-Lieferant des Easy Checkouts im Projekt. Als Kameras setzt das Unternehmen dabei Geräte von Hikrobot ein.
„20 Prozent schneller an der Kasse“
„Wir haben durch die Kamera-basierte Erfassung der Barcodes einen erheblichen Prozess-Vorteil, ganz einfach, weil unsere Mitarbeiter beide Hände frei haben“, erklärte Frederic Spileers, Enterprise IT Architect bei Colruyt’s IT-Tochter Myreas, auf der Blue Stage der Euroshop Ende Februar. Mit dem Easy Checkout würde die Ware um stolze 20 Prozent schneller erfasst als mit dem Handscanner, berichtete er.
Obgleich bisher nur Colruyt im Trolley-to-Trolley-Verfahren scannt, und kein einziges anderes Handelsunternehmen auf der Welt, ist Carl Christesen, Relationship Manager bei Partner Tech Europe im Gespräch mit dem Retail Optimiser optimistisch, dass weitere Handelsorganisationen das Verfahren in der Easy Checkout-Version übernehmen werden. „Das Interesse an dieser Lösung war sehr groß auf der Euroshop“, sagt Carl Christesen. Zwei große Vorteile hebt er mit guten Gründen hervor: Zum einen ist das Verfahren äußerst bequem für die Kunden, welche die Ware an keiner Stelle für den Kassiervorgang in die Hand nehmen muss.
Super bequem für die Kunden
„Der vor allem von deutschen Discountern bekannte Stress der Kunden beim Einpacken der Ware nach dem Scannen entfällt komplett“, gibt Carl Christesen zu bedenken. Nicht zuletzt könne der Handel seine Checkout-Zone mit dem Easy Checkout wesentlich günstiger gestalten: „Die erheblichen Kosten für Kassentische entfallen ersatzlos“, sagt der Partner Tech-Manager. Ganz besonders interessant könnte die Lösung für Cash + Carry-Markt- oder Warehouse Club-Betreiber sein, das sie besonders gut mit sehr großen Einkäufen zurechtkomme.
Etwas nervös dürften die Vertriebsleute von Mars Wrigley, Perfetti Van Melle und Ferrero auf die Entwicklung schauen, denn der Easy Checkout kennt bisher keinen Platz für Impulskauf- Ware. Seit Jahren investiert die Markenartikel-Industrie erheblich in die Platzierung von Kaugummis und Süßwaren auch an Self-Checkouts und wird sich ganz sicher auch für diese neue Form des Kassenzone etwas ausdenken.



