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Amazon verhindert Einkäufe von Metas neuem KI-Agenten Muse

Amazon blockiert seit Anfang dieser Woche Zugriffe von Metas neuem KI-Agenten Muse auf seine Shopping-Seiten. Zuvor hatte das Unternehmen vergeblich versucht, den Facebook-Mutterkonzern zu bewegen, freiwillig auf Einkäufe des Bots im Auftrag von Verbrauchern in seinem Online-Shop zu verzichten. Dies verdeutlicht, wie hart Unternehmen um die Hoheit über ihre Shopper-Daten kämpfen.

Der Online-Riese will verhindern, dass der KI-Agent alle Informationen eines Kundenkonto auslesen kann. Wenn der Bot sich als Amazon-Kunde anmeldet, kann er beispielsweise die Liste vergangener Käufe einsehen, frühere Suchanfragen im Shop sowie Kontaktdaten und Zahlungsdaten. Dies sind wertvolle Informationen, die erhebliche Wettbewerbsvorteile bieten. Für solche Daten zahlen Marktteilnehmer üblicherweise hohe Beträge.

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Amazon kritisiert vor allem den Umstand, dass der Meta KI-Assistent sich nicht als solcher identifiziere. So könne eine dritte Partei unerkannt sensible Shopper-Daten absaugen und Transaktionen ausführen, ohne Kenntnis und Einverständnis des Betreibers. Offensichtlich geht es hierbei nicht nur um Datenschutz, sondern vor allem um die Hoheit über die wertvollen Kundendaten.

Amazon geht auch gegen andere KI-Agenten vor

Das Unternehmen erklärt, dass andere Dienste, die im Kundenauftrag operierten, sich als solche identifizierten. Sie handelten mit Einverständnis des Shop-Betreibers und hätten sich dazu verpflichtet, Daten sicher und zuverlässig zu behandeln. Als Beispiele hierfür nannte Amazon Lieferdienste und Restaurantbetriebe oder Reisebüros und Fluggesellschaften. Agentische KI-Anwendungen müssten sich gleichermaßen an diese Pflichten halten.

Muse ist nicht die erste agentische KI, gegen die sich Amazon wehrt. Im März dieses Jahres hatte das Unternehmen Perplexity nach dem US Anti-Hacking-Gesetz verklagt. In erster Instanz gewann der Online-Retailer, verlor dann aber den Prozess mit der Begründung, dass der Nutzer und nicht das KI-Unternehmen auf die Amazon-Server zugreife. Das Gericht verwies allerdings auf den Weg, die Zugriffe vertraglich oder über Nutzungsbedingungen zu steuern.

KI gefährdet Amazons Vormachtstellung

Auch ChatGPT Shopping Research von Open AI lässt Amazon nicht auf seine Seiten. Dieses Tool blockiert das Unternehmen seit November 2025. Hierbei stand weniger die Sorge vor Datenklau im Vordergrund. Verbraucher, die via KI-Agenten nach dem besten Angebot suchen, werden dadurch möglicherweise auf weniger bekannte und kapitalkräftige Anbieter aufmerksam. Auch auf solche, die sich keine Spitzenposition bei der Google-Suche erkaufen können. Amazon sieht sich dadurch besonders bedroht, da bisher viele Verbraucher die Website aufgrund ihrer Marktposition als ersten Anlaufpunkt bei der Produktsuche nutzen und bequemerweise gleich dort einkaufen. Dabei ist der Online-Gigant häufig nicht der günstigste Anbieter.

Abschotten birgt allerdings die Gefahr, dass künftig immer mehr Verbraucher auf KI-Tools setzen und dann weniger Kunden bei Amazon landen werden. Sollte sich das Unternehmen öffnen, verlöre es die Kontrolle über die Kundenbeziehung an eine externe Plattform. Deshalb geht Amazon selbst in die Offensive. Mit Alexa for Shopping hat es einen eigenen KI-Agenten zur Produktsuche und für personalisierte Vorschläge entwickelt. Das agentischen Tool ‚Buy for Me‘ findet sogar Artikel auf fremden Produktseiten. Das Unternehmen versichert allerdings, dass sich der Agent identifiziere und Anbietern die Möglichkeit zum Opt-out biete.

Muse erreicht bereits Spitzenposition

Meta hatte Muse am 8. September veröffentlicht. Nutzer können die Software als persönlichen Agenten einsetzen. Der Bot kann komplexe, mehrstufige Aufgaben ausführen und sich dazu mit verschiedensten Diensten verbinden, wie E-Mail, Kalender, Bezahldienste, Reservierungen oder Online-Shops.

Die Anwendung ist über eine eigene Website verfügbar sowie auf den Plattformen iOS, Android und What’sApp. Die Nutzung ist in der Basis-Version kostenlos. Bereits eine Woche nach Veröffentlichung erreichte sie im Apple App-Store in den USA die Spitzenposition bei den kostenlosen Apps, vor Wettbewerber ChatGPT.

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Joachim Pinhammer

Joachim Pinhammer unterstützt als Retail Experte Handels- und Technologie-Unternehmen durch Beratung und Marketing-Expertise. Er war als Senior Analyst und Director Retail Technology bei der Analysten-Gruppe Planet Retail tätig. Davor war er als Director Marketing der Wincor Nixdorf AG (heute Diebold Nixdorf) verantwortlich für den internationalen Marketingauftritt der Retail Division des Unternehmens. Joachim Pinhammer ist regelmäßiger Sprecher auf Veranstaltungen der Messe Düsseldorf (EuroShop und EuroCIS), des EHIs und anderen Branchen-Events. Er veröffentlicht Fachbeiträge in Magazinen und Online-Foren der Branche.

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