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Handelsriesen wie Walmart und Carrefour setzen auf Googles Einkaufsagenten

Sowohl Walmart als auch Carrefour haben in dieser Woche angekündigt, Googles neuem Standard für agentischen Handel Universal Commerce Protocol (UPC) beizutreten. Die Technologie erlaubt Verbrauchern beispielsweise Produkte direkt auf Googles KI-Plattform Gemini zu kaufen, ohne auf die Website des Handelsunternehmens wechseln zu müssen. Auf der NRF-Konferenz, die diese Woche in New York City stattfindet, hat Google Cloud nun auch eine eigene agentische Lösung für Handel und Gastronomie unter dem Namen Gemini Enterprise for Customer Experience (CX) vorgestellt. Kroger zählt zu den ersten Anwendern dieser Lösung.

Der neue offene Standard für den agentenbasierten Handel soll während des gesamten Einkaufsprozesses funktionieren, von der Produktsuche über den Checkout bis hin zum Kundendienst nach dem Kauf. UCP schafft eine gemeinsame Sprache für Agenten und Systeme, damit diese über Verbraucherplattformen, Unternehmen und Zahlungsanbieter hinweg interagieren können. Die Lösung ist für den branchenübergreifenden Einsatz konzipiert und mit vielen bestehenden Branchenprotokollen kompatibel.

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Google hat UCP gemeinsam mit Branchenführern wie Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart entwickelt. Mehr als 20 weitere Unternehmen aus dem Ökosystem unterstützen das Protokoll, darunter Händler wie Best Buy, Flipkart, Macy’s, The Home Depot und Zalando sowie wichtige Zahlungsabwickler, darunter Mastercard, Visa, American Express, Adyen und Stripe.

Virtueller Berater hilft bei der Kaufentscheidung

Zunächst ermöglicht die Lösung Verbrauchern aus Produktvorschlägen in der Gemini App oder im KI-Modus der Google-Suche direkt von den teilnehmenden Händlern zu kaufen, ohne noch auf deren Website geleitet zu werden. Zahlen können sie mittels Google Pay und zukünftig auch via PayPal. Auch ein virtueller Berater, ein sogenannter Business Agent, steht bereits zur Verfügung. Dieser kann Fragen zum Produkt beantworten und Kunden bei der Auswahl helfen. Die teilnehmenden Handelsunternehmen können diesen mit eigenen Daten trainieren. Weitere Funktionen will Google gemeinsam mit seinen Branchenpartnern zeitnah entwickeln.

Carrefour ist das bisher einzige europäische Lebensmittel-Einzelhandels-Unternehmen, das Googles UPC eingeführt hat. Der französische Konzern sieht sich in der Spitzenposition bei dieser innovativen Technologie. Er will damit den Online-Einkauf erleichtern, die Interaktion mit seinen Kunden neugestalten, vor allem durch den direkten Kauf von Carrefour-Produkten mithilfe der Google KI-Tools.

Google bietet vorgefertigte Agenten

Gemini Enterprise for Customer Experience (CX), die Google-eigene Lösung, die das Unternehmen auf der NRF-Konferenz in New York City, die gestern zu Ende ging, vorgestellt hat, stellt bereits vorgefertigte und konfigurierbare Agenten bereit, die sich nach Angaben des Anbieters innerhalb weniger Tage implementieren lassen. Sie sollen den gesamten Kunden-Prozess begleiten können, von der Produktsuche bis zur Betreuung nach dem Kauf.

Das Tool soll wie ein Experte agieren, und Kunden aufgrund ihrer jeweiligen Anforderungen hinsichtlich der Produkteigenschaften und des verfügbaren Budgets beraten. Dabei könne der Agent Sprache, Fotos, Videos oder auch handschriftliche Notizen verarbeiten. Bei Produktvorschlägen berücksichtige er das bisherige Einkaufsverhalten des Kunden und erledige mit Einverständnis des Käufers auch den Checkout. Als erste Retailer, die sich für diese Lösung entschieden haben, nennt der Internet-Konzern Kroger, Lowe’s und Woolworths.

Handel droht Kontrollverlust

Auf KI von Google zu bauen, bietet allerdings nicht nur Chancen, sondern auch erhebliche Risiken. Handelsunternehmen, die sich für diesen Weg entscheiden, geben wesentliche Teile der Kundenkommunikation aus der Hand. So könnten sie längerfristig die Kontrolle über ihre Kundenbeziehungen verlieren.

Gemäß ihres Geschäftsmodells wird die Google Plattform Angebote dann besser positionieren, wenn der Anbieter dafür entsprechend zahlt. Es ist zu erwarten, dass längerfristig vor allem große und zahlungskräftige Retailer von der Technologie profitieren können. Insgesamt könnte dies die Monopolisierung im Online-Handel weiter vorantreiben.

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Joachim Pinhammer

Joachim Pinhammer unterstützt als Retail Experte Handels- und Technologie-Unternehmen durch Beratung und Marketing-Expertise. Er war als Senior Analyst und Director Retail Technology bei der Analysten-Gruppe Planet Retail tätig. Davor war er als Director Marketing der Wincor Nixdorf AG (heute Diebold Nixdorf) verantwortlich für den internationalen Marketingauftritt der Retail Division des Unternehmens. Joachim Pinhammer ist regelmäßiger Sprecher auf Veranstaltungen der Messe Düsseldorf (EuroShop und EuroCIS), des EHIs und anderen Branchen-Events. Er veröffentlicht Fachbeiträge in Magazinen und Online-Foren der Branche.

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