Advertisement
News

Stress um die Kassen-IT

Neben der Fiskalisierung stellt die temporäre Mehrwertsteuersenkung den Einzelhandel in Deutschland vor große Herausforderungen.

Mit der temporären Senkung der Mehrwertsteuer will die deutsche Bundesregierung die Konjunktur ankurbeln. Für den Einzelhandels in Deutschland entsteht dadurch jedoch ein gigantischer Aufwand, der wahrscheinlich in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Effekt steht. Und das in einer Zeit, in der die für die Kassensysteme Verantwortlichen bereits mit der Einführung der Fiskalisierung zu kämpfen haben.

Advertisement

Bis zum 30. September müssen alle POS-Systeme in Deutschland so aufgerüstet sein, dass kein Umsatzsteuerbetrug mehr möglich ist. Über eine weitere Verlängerung dieser Frist streiten nun die Handelsverbände mit dem Finanzministerium. Der Ausgang ist noch ungewiss. Und das in Zeiten, in denen viele Nonfood-Handelsunternehmen um die Existenz kämpfen.

Ohne moderne Preisoptimierungs-Lösungen und elektronische Regalpreisetiketten ist die temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer in der kurzen Zeit kaum zu lösende Aufgabe. “Wir haben es mit einem vergleichsweise hohen Aufwand zu tun. Das wird einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth. Um sein Konzept der Dauerniedrigpreise nicht verändern zu müssen, hat jetzt zum Beispiel dm Drogeriemarkt beschlossen, statt Preissenkungen einen generellen Rabatt von 3 Prozent auf jeden Bon zu gewähren. Die Herausforderungen der Mehrwertsteuer-Umstellung sind jedoch dadurch auch für dm und alle Händler, welche die Mehrwertsteuersenkung als Rabatt an den Kunden weitergeben wollen, nicht vom Tisch. Denn auch die Umstellung der Buchhaltung auf die temporäre niedrigere Mehrwertsteuer bringt einen erheblichen Aufwand mit sich.  

Auch im Bereich der Fiskalisierung stehen die Behörden dem Handel gerade selbst im Weg. Denn die Einzelhandels-Unternehmen bevorzugen Cloud-basierte Lösungen statt Veränderungen der Hardware der Kasse wie die, welche die GK Software-Tocher Deutsche Fiskal zusammen mit der Bundesdruckerei entwickelt. Bisher wurden nämlich nur Hardware-basierte Lösungen zugelassenen. Die von Swissbit wird inzwischen von Toshiba und Diebold Nixdorf als Hardware-Lösungen angeboten.

Erst im Herbst rechnen die Verantwortlichen mit einer Entscheidung über die Zulassung von Cloud-basierten Fiskaliserungs-Lösungen. Obgleich allen Krisen zum Trotz bislang immer noch die Frist 30. September gilt.  

 

Mehr anzeigen

Björn Weber

Björn Weber ist seit über 20 Jahren als Journalist, Analyst und Berater auf den Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie spezialisiert. Bevor er die Agentur Fourspot gründete, bei der The Retail Optimiser erscheint, leitete er die internationale Analysten-Gruppe LZ Retailytics. Zuvor war er Research Director Retail Technology und Deutschlandchef von Planet Retail. Björn Weber war davor acht Jahre lang Redakteur für IT & Logistik-Themen der Lebensmittel Zeitung. Björn Weber ist Mitglied der Jury des Retail Technology Awards (Reta Europe) des EHIs. Er ist regelmäßiger Sprecher auf Veranstaltungen des EHIs, der NRF, der Branchenmedien sowie des Consumer Goods Forums.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"