Amazon schließt alle seine Scanless-Stores
Amazon schließt alle seine physischen Vertriebsstätten von Amazon Go und Amazon Fresh. Die meisten der Amazon Fresh-Märkte werden zu Whole Food Stores umgebaut. Seine eigene Just-walk-out-Technologie wird der Online-Primus dann nur noch innerhalb des eigenen Unternehmens einsetzen: In mehr als 40 seiner Verteilzentren in Nordamerika setzt Amazon die Technologie in den Pausenräumen ein. In diesem Jahr sollen zahlreiche weitere eigene Logistik-Zentren damit ausgestattet werden.
Dass der Online-Riese keine eigenen Scanless-Stores für die Öffentlichkeit mehr betreiben will, wird dem Vertrieb seiner Just-Walk-Out-Technologie an andere Unternehmen sicher nicht helfen. Laut Amazon würden derzeit 360 Standorte anderer Unternehmen in fünf Ländern die Scanless-Technologie einsetzen. Viele dieser Anwender sind jedoch keine Lebensmittel-Handelsunternehmen, sondern Caterer in Krankenhäusern, Fabriken oder Stadien.
Die von Amazon initiierte Welle der Scanless-Technologie, bei der jede Bewegung aller Kunden im Store durch Kameras erfasst und durch KI so analysiert werden soll, dass es überhaupt kein Scanning der Artikel mehr braucht und auch keine Kassen, hatte zwischenzeitlich das Who-is-Who des Handels mitgerissen. Technologie-Anbieter wie Trigo, Aifi, Zippin, Pixevia, Cloudpick und Grabango hatten ihre Technologien in Stores von Auchan, Aldi Nord, Aldi Süd, Tesco, Edekas Netto und der Rewe Group installiert. Sainsbury’s hatte sogar einen Store mit der Just-Walk-Out von Amazon.
Scanless braucht manuelle Intervention
Die meisten dieser Scanless-Technologien sind inzwischen wieder aus diesen Stores verschwunden oder wurden zumindest durch Self-Checkouts ergänzt. Die Technologie war in Verruf geraten, nachdem sich herausstellte, dass sie keineswegs in allen Fällen automatisch funktionierte. Videosequenzen von den Einkäufen wurden und werden selbst aus Ländern mit hohem Datenschutz-Standards wie dem der EU in Billiglohn-Länder übertragen. Dort entscheiden Menschen an Computern manuell über Zweifelsfälle – darüber, wer nun welche Produkte mitgenommen hat – bei denen die KI kein sicheres Ergebnis liefern kann. Der Retail Optimiser berichtete.
Eine Ausnahme von der Regel, dass ein Handelsunternehmen die Kassenlos-Technologie in maximal einer Handvoll seiner Vertriebsstätten testet und dann zurückrudert, stellt die polnische Convenience-Kette Żabka dar. Mit der Technologie des kalifornischen Anbieters Aifi betreibt das Unternehmen um die 50 kassenlose Żabka Nanos in Polen. Der Retail Optimiser berichtete. Zwei dieser Żabka Nanos Stores gibt es auch in Deutschland. Allerdings nicht öffentlich zugänglich, sondern einen innerhalb eines Studenten-Wohnheims in Potsdam-Golm und einen innerhalb des Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide, wie Supermarktblog.com berichtete.
Amazon Fresh kam nie in ein drittes Land
Amazon war mit seinen beiden Vertriebslinien Amazon Fresh und Amazon Go ausschließlich in den USA und in Großbritannien mit physischen Stores präsent. Expansionspläne dieser Vertriebslinien in der Form stationären Handels in Europa hatte Amazon schon früh auf Eis gelegt.
In den USA hatte Amazon nie mehr als 58 Amazon Fresh Stores über neun Bundesstaaten hinweg betrieben. In Großbritannien waren es nie mehr als 19, die alle im Großraum London angesiedelt waren. Noch weniger Vertriebsstätten gab es selbst zur besten Zeit vom scanless Convenience-Format Amazon Go: In den USA waren es nie mehr als 16, in London nicht mal eine Handvoll.
Expansion Same-Day-Delivery samt Food
Amazon zieht sich jedoch keineswegs aus dem Lebensmittel-Handel zurück, sondern baut diesen massiv aus: Vor allem durch seinen Same-Day-Delivery-Service, durch den der Konzern heute bereits in 5.000 Städten und Ortschaften in den USA auch Lebensmittel samt Frische anbietet. Dieser Service, bei dem der Kunde auch ausgewählte Nonfood-Produkte mitbestellen kann, soll in diesem Jahr massiv ausgebaut werden.
Whole Foods, Amazons stationäre Lebensmittel-Vertriebslinie, soll 100 neue Stores bekommen und dann rund 550 Standorte zählen. Darin enthalten dürften auch schon die rund 50 Amazon Fresh Stores sein, die nicht geschlossen, sondern in Whole Food Stores umgewandelt werden. Durch seinen Online-Handel mit Lebensmitteln sieht sich Amazon mit einem Gesamt-Food-Umsatz von 150 Milliarden US-Dollar im Jahr bereits als drittgrößtes Lebensmittel-Handelsunternehmen in den USA – hinter Walmart und Kroger.



