Amazon Deutschland liefert Frischware mit Hilfe von Bartels-Langness
Amazon hat vergangene Woche einen neuen, eigene Same-Day-Lieferdienst für frische Lebensmittel in Frankfurt am Main, Köln und München gestartet. Der Online-Händler integriert die Frischware in sein Same-Day-Sortiment und liefert sie gemeinsam mit Nonfood-Artikeln aus.
Durch diesen Synergie-Effekt auf der letzten Meile könnten Food-Lieferungen inklusive gekühlter und tiefgekühlter Ware an Haushalte zum ersten Mal in Deutschland profitabel durchgeführt werden.
In dem neuen Same-Day-Angebot von Frischware finden sich unter anderen gekühlte und tiefgekühlte Produkte der Markant-Eigenmarke Hofgut. Da diese Marke ausschließlich vom regionalen, Kieler Handelsunternehmen Bartels-Langness (Bela) genutzt wird, darf man davon ausgehen, dass Amazon sie auch von dort bezieht.
Amazon nennt Bartels-Langness nicht
Amazon Deutschland selbst bestätigt zwar auf Anfrage des Retail Optimisers durch seine Sprecherin Christine Maukel, dass sie für ihr Angebot an frischen Lebensmitteln nicht nur mit Herstellern und Erzeugern zusammenarbeiten, sondern ebenso mit „etablierten Handelspartner aus dem Lebensmittelbereich“, benennt aber strikt keine Partner.
Die Zusammenarbeit mit Bartels-Langness ist insofern interessant, als das Einzelhandelsunternehmen bei seinem ersten – inzwischen eingestellten – Versuch unter dem Namen Amazon Fresh frische Lebensmittel nach Hause zu liefern, mit Bünting als Lieferanten zusammengearbeitet hatte. Bünting und Bartels-Langness gehören beide zur Markant-Gruppe.
Amazon baut erneut eigene Frischelogistik auf
Für das neue Angebot hat Amazon bestehende Verteilzentren um Kühlbereiche erweitert. Eigene Beschäftigte übernehmen dort die Fein-Kommissionierung. Auf die entsprechende Anfrage des Retail Optimisers teilt Amazon-Sprecherin Christine Maukel mit: „Ja, das ist korrekt.“ Amazon lagert, kommissioniert und verpackt verderbliche Ware nun also wieder selbst.
Das unterscheidet den neuen Ansatz von den offen ausgewiesenen Shops der Lebensmittel-Handelsunternehmen Knuspr und Tegut auf Amazon.de. Beim neuen Same-Day-Angebot steuert Amazon die Lagerung und Kommissionierung selbst. Knuspr ist weiterhin über die Plattform erreichbar und damit zugleich Partner und Wettbewerber des Online-Händlers. Tegut wird gerade abgewickelt und wird vom Markt komplett verschwinden, fällt also als Partner von Amazon aus.
Keine gesonderte App notwendig
Insgesamt umfasst das Angebot nun unter anderem Obst, Gemüse, Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Eier, Backwaren und Tiefkühlprodukte. Die Artikel erscheinen in der regulären Suche auf Amazon.de sowie in der Amazon Shopping App, sofern der Nutzer in den Postleitzahlen-Gebieten wohnt, die damit beliefert werden. Diese Kunden benötigen weder eine weitere App noch eine separate Registrierung.
Prime-Mitglieder erhalten Bestellungen ab 29 Euro in einem Vier-Stunden-Fenster ohne Liefergebühr. Unterhalb dieses Warenwerts berechnet Amazon 3,99 Euro, während Kunden ohne Prime-Mitgliedschaft unabhängig vom Bestellwert 9,99 Euro zahlen. Ein Zwei-Stunden-Fenster kostet Prime-Mitglieder je nach Warenwert 2,90 Euro oder 4,90 Euro, Nichtmitglieder zahlen 10,99 Euro.
Amazon Fresh startete 2017 in Berlin
Mit Amazon Fresh hatte das Unternehmen bereits am 4. Mai 2017 einen eigenen Lebensmittel-Lieferdienst in Teilen Berlins und Potsdams gestartet. Rund 85.000 Artikel standen anfangs zur Auswahl. Amazon lagerte die Ware in einem Depot in Berlin-Tegel, kommissionierte dort die Bestellungen und ließ sie zunächst durch DHL zustellen.
Zu den Warenlieferanten von Amazons Lebensmittelgeschäft gehörte auch Bünting. Das norddeutsche Handelsunternehmen hatte Amazon bereits seit 2011 mit Produkten aus dem Trockensortiment beliefert. Später arbeitete Amazon Fresh außerdem mit Tegut sowie mehr als 25 lokalen Berliner Anbietern zusammen.
Amazon Fresh blieb auf drei Regionen begrenzt
Am 19. Juli 2017 hat Amazon Fresh sein Liefergebiet auf Hamburg ausgeweitet. Die Bestellungen für die Hansestadt kamen ebenfalls aus dem Berliner Depot. Isolierte Taschen mit Kälteakkus oder Trockeneis sollten die erforderlichen Temperaturen auf dem längeren Transportweg sichern.
München folgte am 8. November 2017 als dritte Region. Ein Großteil der Ware kam dort aus einem neu errichteten Kühllogistikzentrum in Daglfing. Ergänzend hat Amazon Produkte von rund 20 örtlichen Anbietern liefern lassen, darunter Dallmayr und Händler vom Viktualienmarkt.
Amazon hat Fresh 2024 eingestellt
Über Berlin und Potsdam, Hamburg sowie München ist Amazon Fresh in Deutschland nicht hinausgekommen. Zum 14. Dezember 2024 hat der Online-Händler den Dienst nach mehr als sieben Jahren beendet. Kurz zuvor hatte Amazon eine Kooperation mit Knuspr begonnen, um Kunden weiterhin frische, gekühlte und tiefgekühlte Produkte anzubieten.
Amazon hat damals erklärt, sein Angebot und sein Logistiknetzwerk überprüft zu haben. Das Unternehmen wollte sein Lebensmittelgeschäft auf Amazon.de vereinfachen und sich auf das umfangreiche sowie wachsende Geschäft mit haltbaren Lebensmitteln konzentrieren.
Der neue Anlauf unterscheidet sich vor allem durch den gemeinsamen Warenkorb und die Einbindung in die bestehende Same-Day-Infrastruktur von Amazon Fresh. Weitere Metropolregionen sollen in den kommenden Wochen folgen. Konkrete Standorte, Termine und Artikelzahlen hat das Unternehmen bislang nicht bekannt gegeben.



