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Amazon gibt erneut den Takt bei POS-Technologien vor

Nichts hat der Welt der Instore-Technologie so viel Ehrfurcht eingeflößt wie die Amazon Go Stores, als der erste 2018 eröffnet wurde. Statt Barcodes zu scannen, identifizieren an der Decke montierte Kameras und Gewichtssensoren in den Regalen die Shopper und jeden Artikel.

Wie kann das möglich sein? Es ist nicht möglich, behaupteten Experten, die auf mögliche Grenzen der Technologie hinweisen. Nun, da 25 Amazon Go-Geschäfte sie einsetzen, konzentriert sich die Kritik auf die Annahme, dass sie für größere Geschäfte nicht geeignet sei. Tatsächlich ist die bisher größte mit der Amazon Go-Technologie ausgestattete Vertriebsstätte 715 Quadratmeter groß und wurde erst im Februar eröffnet: Amazon Go Grocery im Stadtteil Capitol Hill von Seattle.

Aber die Behauptung, dass Amazons Technologie in größeren Stores nicht einsetzbar ist, wird sich schon bald als falsch erweisen: Amazon hat den Dash Cart vorgestellt, einen Einkaufswagen, der automatisch alle Produkte erfasst, die in ihn gelegt werden, und die Bezahlung abwickelt, sobald die Kunden den Laden verlassen. Er ist für kleine und mittelgroße Einkäufe gedacht.

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Der intelligente Einkaufswagen wird zum ersten Mal in der Öffentlichkeit in Amazons brandneuem Supermarktformat — das noch keinen Namen hat — eingesetzt werden, das bereits jetzt die Aufmerksamkeit der gesamten weltweiten Lebensmittel-Einzelhandels-Branche auf sich zieht.

Amazon kurz vor Start seines neuen Supermarkt-Formats

Amazon wird den ersten seiner neuen Supermärkte in der Nähe von Los Angeles in Woodland Hills am Topanga Canyon Blvd. eröffnen. Dieser Store hat eine Größe von etwa 3.000 Quadratmetern.

Dort wird Amazon die Amazon Go-Technologie nun in die Einkaufswagen einbauen: Der Dash Cart ist mit Computer-Vision-Kameras sowie Gewichtssensoren ausgestattet, welche die Produkte identifizieren, wenn die Kunden sie hineinlegen. Nach dem Einkauf können die Shopper an speziellen Kassenlinien auschecken, ohne für den Bezahlvorgang anzuhalten. Die Bezahlung erfolgt online und die Quittungen werden per E-Mail verschickt.

Selbstverständlich kann der intelligente Einkaufswagen lose verkauftes Obst und Gemüse nicht identifizieren. Für dieses müssen die Shopper Preisabfragecodes eingeben und das Gewicht auf dem Bildschirm des Einkaufswagens bestätigen.

Die Kunden im zukünftigen Woodland Hills’ Store müssen den neuen Dash Cart nicht unbedingt benutzen. Anders als die 25 Amazon Go-Läden wird der neue größere Amazon-Supermarkt mit bemannten Kassen ausgestattet sein.

Dash Cart könnte zu Whole Foods kommen

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Amazon diese neue Technologie auch in seine etwa 500 Whole Foods Stroes bringen wird.

Der Dash Cart könnte einen neuen Schock für die Traditions- Anbietern von Instore-Technologien wie Toshiba, NCR, Diebold Nixdorf und vielen anderen bedeuten. Amazon — lange Zeit aus ihrer Sicht als reiner Online-Anbieter als irrelevant angesehen – führt in ihrem Bereich eindeutig den Innovations-Wettlauf an.

Die Technologieanbieter bieten eine breitere Palette von Kombinationen aus Self-Scanning mit Validierung durch Wiegen und automatischer visueller Erfassung, Tunnelscannern, auf Einkaufswagen montierten Computern und Self-Checkouts. Aber was immer als unvermeidbar angesehen wird, ist, dass irgendwann jemand die Barcodes der Artikel scannen muss. Obwohl das Wort “disruptive” im Zusammenhang mit Innovation überstrapaziert wird: Dies ist der Moment, in dem wir es verwenden können: Amazons Technologie ist ein Wendepunkt.

Amazons Dash Cart (Foto: Amazon)

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Björn Weber

Björn Weber ist seit über 20 Jahren als Journalist, Analyst und Berater auf den Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie spezialisiert. Bevor er die Agentur Fourspot gründete, bei der The Retail Optimiser erscheint, leitete er die internationale Analysten-Gruppe LZ Retailytics. Zuvor war er Research Director Retail Technology und Deutschlandchef von Planet Retail. Björn Weber war davor acht Jahre lang Redakteur für IT & Logistik-Themen der Lebensmittel Zeitung. Björn Weber ist Mitglied der Jury des Retail Technology Awards (Reta Europe) des EHIs. Er ist regelmäßiger Sprecher auf Veranstaltungen des EHIs, der NRF, der Branchenmedien sowie des Consumer Goods Forums.

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