Aldi Süd beendet alle Tests mit scanless Stores
Nun hat Aldi Süd auch sein Pilotprojekt mit einem scanless Store in London eingestellt. Der Test-Store des Discounters in der Greenwich High Road im Süden Londons wird künftig als Aldi Local-Store betrieben – ohne die scanless Technologie von Aifi. Bereits 2024 hatte Aldi Süd sein scanless Experiment in den USA beendet. Der Dienstleister dort, Grabango ist inzwischen insolvent. Damit reiht sich Aldi Süd in die wachsende Zahl von Einzelhandels-Unternehmen ein, die ihre Experimente mit scanless Stores beenden.
Der im Januar 2022 als Aldi Shop&Go eröffnete Store in London setzte auf die rein kamerabasierte Technologie von Aifi, um Einkäufe automatisch zu erfassen und Kunden beim Verlassen des Stores abzurechnen – ganz ohne Kassen und Scanning. Der Retail Optimiser berichtete. Das Ende kommt nicht überraschend: Hatte doch Amazon, der Pionier der scanless Technologie – die stets umstritten war, weil sie nicht vollautomatisch funktioniert, sondern die Intervention von Menschen an Bildschirmarbeitsplätzen benötigt, wann immer die KI unsicher ist – im Januar dieses Jahres ebenfalls bekannt gegeben, keine eigenen öffentlich zugänglichen Stores mehr mit dieser Technologie zu betreiben. Der Retail Optimiser berichtete.
Aldi Süd hatte nicht nur in London, sondern ein knappes Jahr lang auch in den USA den Einsatz der scanless Technologie getestet – in einem Store in Aurora in der Nähe von Chicago. Der Retail Optimiser berichtete. Der im November 2023 begonnene Test wurde jedoch schon 2024 wieder eingestellt. Der Anbieter der dort eingesetzten Technologie Grabango ist im Oktober 2024 insolvent gegangen. Laut US-Medien ist es dem Unternehmen nicht gelungen, die für den weiteren Betrieb erforderlichen Finanzmittel aufzubringen.
Aldi Nord macht in Eindhoven weiter
Anders als der mit Trigo-Technologie von Aldi Nord im niederländischen Eindhoven betriebene Store hat Aldi Süd in London die Einkäufe seiner Kunden mit Vision Recognition-Technologie des kalifornischen Spezialisten AiFi ausschließlich über Kameras erfasst. Eine Sensorik mit Wägezellen in den Regalen gab es dort nicht. Aldi Nord hatte in seinem ersten Test-Store im niederländischen Utrecht im September 2024 die Trigo-Technologie abgeschaltet, betreibt aber nach Auskunft des israelischen Anbieters seinen zweiten scanless Store in Eindhoven unverändert weiter.
Alle Teststores von Aldi Süd und Aldi Nord waren am Anfang so konzipiert, dass Kunden dort nur nach Registrierung in einer App einkaufen konnten. Doch dazu waren nur wenige Kunden bereit. Zunächst hatte dann Aldi Nord seinen scanless Store mit Trigo-Technologie im Juli 2023 so umgebaut, dass das Einkaufen ohne App möglich wurde. Jeder konnte die Filiale ungehindert betreten. Wer mit Karte zahlen wollte, konnte dies an zusätzlich aufgestellten Terminals von Shopreme vor dem Ausgang tun. Der Retail Optimiser berichtete.
Nicht viele waren bereit, sich in einer App zu registrieren
Auch Aldi Süd ermöglichte den Kunden seines Shop&Go-Stores in London dann ab Januar 2024, ohne App einzukaufen. Um den mit Technologie von AiFi ausgerüsteten Store zu betreten, konnten die Shopper dann auch ihre Bezahlkarte am Eingang einlesen. Einkaufen mit der App war trotzdem weiterhin möglich.
Wie bei der Aifi-Lösung arbeitete auch Grabango ohne Wiegetechnologie in den Regalen. In der Aldi Süd-Filiale in den USA mit dieser Technologie war der Einsatz einer App jedoch zwingend. Anders als beim mit AiFi-Technologie ausgestatteten Aldi Süd-Store in London war der Eingang der Filiale in Aurora völlig offen gestaltet und kam ohne Gates aus. Jeder Kunde musste jedoch am Ende seines Trips durch den Store entweder an eine bemannte Kasse oder einen Self-Checkout gehen und den Einkauf dort abschließen.
Die aktuelle Studie von Prof. Dr. Stephan Rüschen, Dualen Hochschule Baden-Württemberg , gibt einen Überblick über den aktuellen Stand scanloser Store-Konzepte im Lebensmittel-Einzelhandel. Demnach wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Pilotprojekte in Europa und den USA umgesetzt, unter anderem mit Technologie von Anbietern wie Trigo, Aifi oder Cloudpick.
Die Studie zeigt unter anderem:
- Fokus vieler Retailer auf Testformate und Pilotstores
- Unterschiedliche technologische Ansätze
- Einsatz vorwiegend in Convenience-Formaten
- Beendigung einzelner Projekte
Technologie-Anbieter Grabango ist pleite
Die aktuellen Entwicklungen bei Aldi Süd sowie die Pleite des Technologie-Anbieters Grabango zeigen, dass sich die Erwartungen des Discounters an scanless Stores nicht erfüllt haben. Während die Technologie in den vergangenen Jahren als möglicher Zukunftsstandard galt, rücken nun die Fragen der Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit und Kundenakzeptanz verstärkt in den Fokus. Für viele Einzelhandels-Unternehmen stellt sich die Frage, welche Rolle scanlose Lösungen künftig in ihrem Portfolio spielen werden und in welchen Formaten ihr Einsatz tatsächlich sinnvoll ist.



