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Reta 2022: Edekas Netto gewinnt doppelt mit Trigo und Tiliter

Gleich zwei Preise konnten sich Edekas Discount-Schiene Netto bei den Reta Awards 2022 des EHIs sicher, deren Gewinner heute bekannt gegeben wurden. Die Teams um Netto-CIO Claus Leitl gewannen zum einen mit ihrer Pick&Go-Filiale im Münchener Stadtteil Schwabing. Einen zweiten Preis sicherten sie sich zusammen mit Tiliter für die automatische Erkennung von Produkten ohne Barcode wie Obst und Gemüse.

Mit den israelischen Spezialisten von Trigo Vision ist es Netto als erstem deutscher Discounter gelungen, Kunden einer Filiale den Einkauf ganz ohne Scanning anzubieten (Der Retail Optimiser berichtete). Auch zum Bezahlen müssen die Nutzer von Pick&Go an weder an eine Kasse noch an ein Terminal, der Betrag wird ihnen über die App berechnet. Anders als andere Handelsfilialisten schaffte es der Discounter der Edeka-Gruppe, das System von Trigo in einer Filiale in Betrieb zu nehmen, in der man auch weiter wie gehabt einkaufen kann, also optional auch ohne App zur herkömmlichen Kasse gehen kann.

Ebenfalls als eine der ersten Vertriebslinien des deutschen Handels hat Edekas Netto die Erkennung von unverpackt verkaufter Ware ohne Barcode mit Tiliter realisiert. Das besondere an dem Projekt: Netto hat nicht nur die Erkennung an Self-Checkouts oder Selbstbedienung-Wagen damit ausgerüstet, sondern so auch die Geschwindigkeit an der herkömmlichen bedienten Kasse erheblich erhöht. Für dieses Projekt sicherte sich Netto eine Reta Award der Kategorie Best AI & Robotics Application.

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Der vom Kölner EHI Retail Institute ausgerichtete Reta Award gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen der Handelstechnologie-Branche weltweit. Über die Frage, welche unter den zahlreichen Bewerbungen die besten Technologie-Projekte des Handels sind, entscheidet eine achtköpfige Jury, der mit Joachim Pinhammer und Björn Weber auch zwei Autoren des Retail Optimisers angehören.

Die weiteren Gewinner des Reta 2022 sind:

  • Valora, die mit ihrem Format Back-Factory zusammen mit Smoothr/Walkout Technologies und den niederländischen Ladenbau- und Kioskterminal-Spezialisten Pan Oston einen Self-Checkout geschaffen haben, der KI-gesteuerte bis zu zehn Produkte innerhalb einer Sekunde erkennen kann – ohne sie nacheinander scannen zu müssen. Der Retail Optimiser berichtete.
  • Lekkerland hat mit Latebird Deutschland eine vollautomatisierte Shop-Lösung entwickelt, die rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche eine breite Produktauswahl zur Verfügung stellt: von gekühlten Produkten wie Salaten und Sandwichs über ungekühlte Artikel wie Süßwaren und Knabberartikel bis hin zu Tiefkühlwaren.
  • Der Einrichtungshaus-Betreiber Porta hat mit Warrify der Zettelwirtschaft den Kampf angesagt, indem Papierquittung digitalisiert werden, wodurch Ressourcen gespart, Kundendaten erschlossen und das Kaufverhalten analysiert werden können. Die Kunden erhalten den Kaufbeleg an der Kasse bequem per QR-Code auf das Smartphone.
  • Coca-Cola entwickelte mit Partner T-Systems International ein Konzept, mit dem technische Probleme bei den hochkomplexen Abfüllanlagen mithilfe von 3D-Anleitungen, Mixed-Reality-Brillen und Software-Lösungen effizienter gelöst werden. Durch Hologramme, eingeblendete Texte und Videos werden zweidimensionale Anleitungen überflüssig. Über die Mixed-Reality-Brillen können die Mitarbeiter vor Ort instruiert werden, ohne dass Fachpersonal anreisen muss.
  • Im Zuge der Digitalisierung setzt Markant bei der Lieferkette auf eine digitale Vorgangsakte. Ziel ist es, allen Beteiligten einen Echtzeit-Zugang zu allen relevanten Informationen bezogen auf die Belieferung der Handelsläger zu ermöglichen. Dabei steht insbesondere das Claimmangement im Fokus. Die Digitalisierung der Lieferscheine wird durch modernste API Bibliotheken, sowie die existierenden EDI-Verbindungen unterstützt. Die Prozesskosten für die Reklamationsbearbeitung in den Lagern konnten so um 70 Prozent gesenkt werden.
  • Die Schweizer Migros hat Prozesse unternehmensübergreifend vereinfachte und automatisierte durch den Aufbau eines Logistikdatenmarktplatz in Kooperation mit GS1 Switzerland, Quibiq Schweiz und der smartive AG. Dies erhöht die Transparenz über die Warenflüsse.
  • Die österreichische Rewe-Tochter Billa hat mit den Partnern Unser Ö-Bonus Club und Bluecode sowie der Software jö&GO! den Kassiervorgang optimiert. Kunden identifizieren sich zu Beginn an der Kasse mit einem Scan aus der jö-App. Dabei liefert der 2-in-1-Code gleichzeitig die Zahlungsinformationen. Am Ende des Kassiervorgangs wird die Zahlung nur noch mündlich mit den Kunden vereinbart. Analysen zeigen einen reduzierten Zeitaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Bezahlverfahren.
  • Die israelische Supermarktkette Shufersal erkennt mit den am Einkaufswagen angebrachten Geräten von Shopic automatisiert Waren, die hinzugefügten oder entfernten werden. Der Retail Optimiser berichtete über die Tests von Aldi Süd mit Shopic.
  • H&M hat mit Diebold Nixdorf, der BT Group und Shouqianba auf dem chinesischen Markt ein neues Konzept für die Scan&Go Customer Journey aufgebaut, bei dem Einkaufen und Kassieren kombiniert werden. Dabei wurden das CRM-System zur Kundenidentifikation, der Online-Shop und die Payment-Lösung miteinander verbunden. Der gesamte Einkauf kann über das Smartphone abgeschlossen werden.
  • Die Gemeinschaft der Spar-Unternehmen hat mit Too Good To Go (TGTG) ein System zur Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung eingeführt. Sie bietet den Kunden der Spar-Gesellschaften eine digitale Lösung zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen in den Spar-Märkten an. TGTG bringt die Nutzerer seiner App mit Lebensmittelgeschäften in Verbindung, die am Ende des Tages über unverkaufte Lebensmittel mit kurzer Haltbarkeit verfügen. Die Einzelhändler können so ihre Lebensmittelabfälle verringern.
  • Die britische Modemarke Ted Baker hat mit OneStock Echtzeittransparenz der Bestände im gesamten Unternehmen realisiert. Bestellungen werden intelligent orchestriert, um die Verfügbarkeit in den Filialen zu optimieren. Das System nutzt Algorithmen, um den Bestand in Echtzeit in den Lagern und Filialen vor Ort zu durchsuchen. So kann das Unternehmen ein verbessertes Lieferversprechen abgeben.
  • Die Edeka Rhein-Ruhr hat zusammen mit Consenso Consulting intelligente Prozessabläufe eingeführt, um die Geschwindigkeit von Rollouts zu erhöhen. Diese Prozesse werden vollautomatisch in verschiedenen Szenarien eingesetzt, können aber auch von einem Rollout-Team gesteuert werden. Die Lösung erlaubt es, Eingangsdaten für die Prozesse eigenständig zu organisieren und so ein Maximum an Flexibilität zu erreichen.
  • Mit der CI Factory produziert Engelbert Strauss Berufsbekleidung im Corporate Design. Die CI Factory steht für Maßschuhfertigungen in Kombination mit einer robotergestützten Corporate Fashion Retail Plattform. In der CI-Factory konfigurieren die Kunden ihre maßgeschneiderte Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe individuell und können aus 40.000 Produkten auswählen. Das Projekt in Zusammenarbeit mit TGW Systems Integration wurde im Vorfeld komplett mit einem Digitalen Zwilling aufgebaut.

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Björn Weber

Björn Weber ist seit über 20 Jahren als Journalist, Analyst und Berater auf den Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie spezialisiert. Bevor er die Agentur Fourspot gründete, bei der The Retail Optimiser erscheint, leitete er die internationale Analysten-Gruppe LZ Retailytics. Zuvor war er Research Director Retail Technology und Deutschlandchef von Planet Retail. Björn Weber war davor acht Jahre lang Redakteur für IT & Logistik-Themen der Lebensmittel Zeitung. Björn Weber ist Mitglied der Jury des Retail Technology Awards (Reta Europe) des EHIs. Er ist regelmäßiger Sprecher auf Veranstaltungen des EHIs, der NRF, der Branchenmedien sowie des Consumer Goods Forums.

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